Juden in Europa

Judentum und Israel
haGalil onLine - http://www.hagalil.com
     

  

hagalil.com

Search haGalil

Veranstaltungskalender

Newsletter abonnieren
e-Postkarten
Bücher / Morascha
Musik

Koscher leben...
Tourismus

Aktiv gegen Nazi-Propaganda!
 
Jüdische Weisheit
 

[Spurensuche jüdischer Geschichte
– das Ghetto in Wilna
]

Ponar

Direct Streaming RealAudio

Der kleine Ort Ponar und seine Umgebung waren berühmt wegen der schönen Landschaft. Leicht erreichbar mit der Bahnlinie oder auf der Straße, etwa sieben Kilometer von Wilna entfernt, war der Ort in Friedenszeiten ein Ausflugsziel für die städtische Bevölkerung.



der Weg nach Ponar
Quelle: Grigorij Schur: Die Juden von Wilna, S. 201

Die sowjetische Besatzungsmacht hatte in Ponar große Gruben ausgehoben, die als Kraftstofflager dienen sollten, jedoch nie benutzt worden waren. Diese Gruben wurden das Massengrab für zehntausende Juden, sowjetische Krieggefangene und andere GegnerInnen der Nazis.

Die Massenmorde begannen, als Anfang August die Einsatzgruppe 9 nach Wilna eingezogen war. Bis Ende Dezember des Jahres 1941 hatten Wehrmacht, SS, Einsatzkommandos und litauische Unterstützer drei Viertel der Juden und Jüdinnen in Wilna ermordet. Herman Kruk beziffert die Zahl der Ermordeten Ende 1941 mit 47.447 Menschen.



Vorbereitung zum Massenmord in Ponar
Quelle: Freund, u.a.: es firt keyn weg zurik, S. 38

Obersturmführer Schauschutz führte in dieser Zeit das Oberkommando in Ponar. Er perfektionierte die Mordorganisation, indem er z.B. die Benutzung von Maschinengewehren untersagte: die Treff- und Tötungssicherheit "einfacher" Gewehre erschien ihm höher. Deutsche Offiziere, wie Weiss befehligten Einheiten aus Deutschen und Litauern. Drei Einheiten kamen jeweils zum Einsatz: Die erste transportierte die Opfer auf Lastwagen aus der Stadt. Eine weitere Einheit war zuständig für ihre Bewachung in Ponar, Flüchtende wurden auf der Stelle erschossen. Diese Einheit hatte auch unerwünschte Zuschauer, wie BewohnerInnen der Region, vom Gelände fern zu halten. Die zum Tode Bestimmten wurden etwa einhundert Meter von den Gruben entfernt zusammen getrieben, mussten sich entkleiden und dann in Gruppen von zehn bis zwanzig Menschen an die Gruben heran treten. Die dritte Einheit, die Schauschutz persönlich unterstellt war, stellte die Todesschützen. Die Erschossenen stürzten in die Gruben, Sand wurde über die Körper gestreut und die nächste Gruppe heran gebracht.



Massenmord in Ponar
Quelle: Freund, u.a.: es firt keyn weg zurik, S. 39

Nicht alle Schüsse waren jedoch tödlich. Einige Opfer wurden nur verwundet. Einige konnten verletzt aus dem Massengrab kriechen und schlugen sich wieder in die Stadt, später in das Ghetto, durch. Schon am 4. September 1941 berichtete Herman Kruk von Geflüchteten aus Ponar. Judith Troyak, ein 14jähriges Mädchen, erzählte ihm von den Massenmorden. Hier sind einige Seiten im Tagebuch von Herman Kruk verloren gegangen, dann folgt der Absatz: " … es ist mein letzter Wunsch: die Wörter sollen in die Welt der Lebenden gelangen … Wird dann die Welt nicht schreien? Wird die Welt einmal Rache nehmen?"
(Kruk, S. 54)

Täter

Ein Massaker in Litauen:
Soundfile RealAudio (hebr.): Boz shel Dam!
(Übersetzung der Zeugenaussage im Demaniuk-Prozess)

3.4. Franz MURER

Franz Murer, der Schlächter von Wilna
Quelle: Freund, u.a.: es firt keyn weg zurik, S. 38

als 24jähriger Adjutant von Gebietskommissar Hingst von 1941 bis 1943 und war "zuständig für jüdische Angelegenheiten". Den überlebenden Opfern ist er als "Schlächter von Wilna" in Erinnerung. Murer liebte es, seine Opfer zu verhöhnen. Seine unerwarteten Kontrollen am Ghettotor waren gefürchtet, endeten sie doch oft für diejenigen, die Nahrung ins Ghetto schmuggelten, in Ponar.
Seine Nachkriegskarriere ist nicht uninteressant: Er kehrte in die Steiermark, wo seine Familie einen Hof betreibt, zurück. 1947 wurde er aufgespürt. Etliche ZeugInnenaussagen bestätigten seine sadistischen Morde. Er wurde in die Sowjetunion ausgeliefert. Weitere Belastungsmaterialien führten zu einer Verurteilung von 25 Jahren Zwangsarbeit. 1955 unterzeichneten Österreich und die Alliierten den Staatsvertrag. Die sowjetische Regierung hatte zugesagt, die österreichischen Gefangenen, inklusive der Kriegsverbrecher zurückzuschicken. Österreich wiederum war verpflichtet, sie den eigenen Gerichthöfen zu unterstellen. Franz Murers Verbleib war ungeklärt, er stand offensichtlich nicht auf den Listen der Zurückgeschickten.
Im Rahmen einer Recherche zur Festnahme Adolf Eichmanns gelangte Simon Wiesenthal 1960 auf die Spur Murers. Als er auf einer österreichischen Behörde nach genauen Daten zur damaligen Festnahme Murers 1947 suchte, wurde Simon Wiesenthal vorgeschlagen, Murer doch selbst zu befragen. Es stellte sich heraus, dass Murer als Bauer und Obmann einer Landwirtschaftskammer in Österreich tätig war.
Die Strafsache Murer war eingestellt. Mehrere erneute Anläufe, die Sache Murer vor das Gericht zu bekommen, endeten ergebnislos.
Und wenn er nicht gestorben ist, …

(vgl. Freund, u.a. (Hg.): es firt kejn weg zurik, ab S. 97)

3.5. Martin WEISS

Martin Weiss, Chef des Mordkommandos in Ponar
Quelle: Harro Schweizer: Ghetto, S. 35

SS-Sturmbannführer, Klempner aus Karlsruhe,
Chef der Wilnaer Gefängnisse,
leitete ab Juni 1942 das Sonderkommandos in Ponar und wurde "Herr von Ponar" genannt, nahm persönlich an den Massenmorden teil, arbeitete ab 1943 in dem Judenreferat der Gestapo, im Februar 1950 für die Verbrechen in Ponar zu lebenslanger Haft verurteilt.

3.6. Bruno KITTEL

Bruno Kittel liquidierte das Wilnaer Ghetto
Quelle: Harro Schweizer: Ghetto, S. 40

geb. 1922, Absolvent einer Theaterschule in Österreich, Saxofon- und Klavierspieler, löste im Juli 1943 Murer und Weiss ab. Er liquidierte das Wilnaer Ghetto. "Kittel schlägt niemanden ins Gesicht, er tritt niemanden mit den Füßen; stattdessen vernichtet er seine Opfer auf zynische Weise – ruhig, bedächtig und mit Gefühl. Wenn er selbst Menschen erschießt, bittet er sie ´höflich` darum, sich `nicht aufzuregen`, `nicht nervös` zu sein, und während er das sagt, richtet er seine automatische Pistole auf die Köpfe der Unglücklichen und erschießt sie einen nach dem anderen, wie Spatzen, ganz ruhig und ohne jede Verlegenheit."
(Schur, S. 200/201)
Bruno Kittel tauchte nach dem Krieg unter.

Das Lied von Ponar

Das Lied entstand 1943 für einen Wettbewerb, den der Judenrat ausgeschrieben hatte. Es wurde komponiert von dem damals 11jährigen Alek Volkovisky und Shmerke Kaczerginski verfasste den Text (Übersetzung nach Daniel Kempin: Mir lebn eybik. Lider fun getos un lagern)

Radioübertragung Jom haSchoah, Jerusalem
hagalil.com/shoah/holocaust/zfirah.ra
...Dikh ruft dayn kind. Dich ruft Dein Kind.

3.7. PONARLIED ORIGINAL


3.8. ORIGINALTEXT
Quelle: Shmerke Kaczerginski: Churbn Wilne, S. VIII

1. Still, still, lasst uns schweigen,
Gräber wachsen hier.
Die Feinde haben sie gepflanzt,
wachsen sie grün ins Himmelblau.
Es führen Wege nach Ponar hin,
kein Weg führt zurück.
Ist der Vater dort verschwunden
und mit ihm das Glück.

Still, mein Kind, weine nicht, Schatz,
es hilft kein Weinen.
Unser Unglück werden die Feinde
ohnehin nicht verstehen.
Selbst die Meere haben Grenzen,
die Lager haben Zäune,
nur unsere Qual
nimmt kein Ende.

2. Frühling ist ins Land gekommen,
hat uns den Herbst gebracht.
Ist der Tag heute auch voller Blumen,
uns sieht nur die Nacht.
Vergoldet der Herbst
Schon die Zweige,
blüht in uns der Schmerz.
Eine Mutter bleibt vereinsamt,
ihr Kind muss nach Ponar.

Die im Eis gefesselte Wilja
Hat auch vor Qualen gestöhnt.
Es jagen Eisschollen
durch Litauen
jetzt ins Meer hinein.
Die Finsternis zerrinnt,
aus dem Dunkel leuchten Sonnen.
Reiter, komm´ geschwind,
dich ruft dein Kind.

3. Stiller, stiller, es brodeln Quellen
in unseren Herzen.
Doch solange die Tore nicht fallen,
müssen wir stumm bleiben.
Freu´ dich nicht, Kind,
dein Lächeln ist jetzt
für uns Verrat.
Der Feind soll den Frühling
Erleben wie das Blatt den Herbst.

Lass die Quelle ganz leise fließen,
sei still und hoffe …
Mit der Freiheit kommt der Vater,
schlaf doch, mein Kind, schlaf.
Wie die eisbefreite Wilja,
wie die grün erblühenden Bäume,
so leuchtet bald das Freiheitslicht
auf deinem Gesicht.

Shtiler, shtiler

Text: Shmerke Kaczerginski – Musik: Alek VolkoviskY

shtiler, shtiler, lomir shwaygn,
kvorim vaks do.
s´hobn zey farflantst di sonim:
grinen zey tsum blo.
s´firn vegn tsu Ponar tsu,
s´firt keyn veg tsurik.
iz der tate vu farshvundn
un mit im dos glik.
shtiler, kind mayns,
veyn nisht, oytser,
s´helft nisht keyn geveyn,
undzer umglik veln sonim

say vi nisht farshteyn.
s´hobn breges oykh di yamen,
s´hobn tfises oykhet stamen.
nor tsu undzer payn
keyn bisl shayn.

friling oyfn land gekumen
un undz harbst gebrakht.
iz der tog haynt ful mit blumen,
undz zet nor di nakht.
goldikt shoyn der harbst
oyf shtamen,
blit in undz der tsar.
blaybt faryosmt vu di mame,
s´kind geyt oyf Ponar.

Vi di Vilye a geshmidte,
t´oykh geyokht in payn,
tsien kries ayz
durkh Lite
itst in yam arayn,
s´vert der khoyshekh vu tserunen,
fun der fintster laykhtn zunen.
Rayter, kum geshvind –
Dikh ruft dayn kind.

Shtiler, shtiler, s´kveln kvaln
Undz in harts arum.
Biz der toyer vet nisht faln
Zayn mir muzn shtum.
Frey nisht, kind, zikh,
Síz dayn shmaykhl,
Itst far undz farrat.
Zen dem friling zol der soyne

Vi in harbst a blat.
Zol der kval zikh ruik flisn,
shtiler zay un hof.
Mit der frayhayt kumt der tate –
Shlof zhe, kind mayns, shlof.
Vi di Vilje a bafrayte,
vi di beymer grin – banayte,
laykht bald frayhayts – likht
oyf dayn gezikht.

Direkt Hören Direct Streaming RealAudio
oder Download
sound/ponar.ra
(Gesungen von Nizza Thobi)

[Übersicht: Spurensuche jüdischer Geschichte
– das Ghetto in Wilna
]
>> Nächster Teil: Im Ghetto


hagalil.com 19-02-2003


DE-Titel
US-Titel

Yiddish Books
Yiddish Music


Spenden Sie mit PayPal - schnell, kostenlos und sicher!
Werben in haGalil?
Ihre Anzeige hier!

Advertize in haGalil?
Your Ad here!

haGalil.com ist kostenlos! Trotzdem: haGalil kostet Geld!

Die bei haGalil onLine und den angeschlossenen Domains veröffentlichten Texte spiegeln Meinungen und Kenntnisstand der jeweiligen Autoren. Sie geben nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber bzw. der Gesamtredaktion wieder.
haGalil onLine

[Impressum]
Kontakt: hagalil@hagalil.com
haGalil - Postfach 900504 - D-81505 München

1995-2013 © haGalil onLine® bzw. den angeg. Rechteinhabern
Munich - Tel Aviv - All Rights Reserved